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Jens Böttcher hat bislang drei Bücher veröffentlicht: „Steiner“ (2007), „Der Tag des Schmetterlings“ (2009) und das „Interview mit dem Teufel“ (2011). Hier einige Rezis und Interviews.
"Interview mit dem Teufel" lautet der Titel eines neuen Buches, das derzeit in einschlägigen Internet-Foren Furore macht. Blasphemisch oder verharmlosend finden es die einen, irreal bis genial die anderen. Der Verfasser des zumindest ungewöhnlichen Theaterstücks in zwei Akten ist Jens Böttcher, 44-jähriger Musiker, Schriftsteller und christlicher Liedermacher aus Hamburg. Er versteht sein Buch schlicht als "Propagandaschrift für radikale Toleranz und Nächstenliebe".
(Schleswig-Holsteiner Zeitung)
Ganz schön frech ist der Dichter Jens Böttcher schon, oder nennt man es besser provokant? Auf alle Fälle hatte er mit diesem Buch eine verteufelt gute Idee und hat diese sehr gut umgesetzt. Böttchers Buch regt an, allein, aber auch im Gespräch mit Anderen über die Liebe Gottes zu uns Menschen neu nachzudenken, vielleicht hat er ja sogar recht, dass wir dazu den Teufel brauchen.
(Christian Döring)
Jens Böttcher: Interview mit dem Teufel
“Sie riskieren nichts, außer, dass alles so erbärmlich bleibt, wie es ist”, sagt der Teufel zu Richard Kolbach in einer Pressekonferenz. Eingeladen hat der Teufel selbst. Nicht etwa in eine Metropolregion und auch nicht besonders medienwirksam. Doch das war Absicht. Ein kleiner Kreis Journalisten sollte genügen, um die Wahrheit, die der Teufel aussprechen würde, zu verbreiten. Von der Handvoll Pressevertretern, die gekommen waren, verließen die ersten schon nach ein paar Minuten das Lokal. Kolbach blieb und hörte zu. Ausgerechnet ihm, dem Teufel. Divenhaft lässt Jens Böttcher ihn auftreten, zynisch, als Blender und mit gutem Geschmack. Keiner im Saal kennt die Wahrheit so gut wie er: Hiob, der selbstgefällige Egozentriker, Jona, ebenfalls von Stolz und Eitelkeit getrieben oder die Biografien der Protagonisten im Saal - der Teufel kennt sie. Er verschweigt auch nicht sein Zittern, als er, nach einem letzten Aufbäumen, sich für immer geschlagen geben muss. “Das war ein Rausch, ein Wahnsinn, der entfesselte Geist der Hölle, der alles durchdrang, das Aufbäumen der Qual, all dessen, was schlecht und gemein und widerlich ist, die Summe der egozentrischen Dunkelheit. Ich war im Begriff zu triumphieren. Die Medaille des freien Willens der Schöpfung war auf ihre finstere Seite gekippt. ”Endet der erste Akt noch in herrlicher Demontage aller im Saal Anwesenden (der Teufel kichert), bleibt das Werk bis zum Schluss ein Schlag gegen die Selbstverliebtheit. Ungeniert erzählt der Teufel, wie er den Wunsch nach Wachstum, Sicherheit und Geborgenheit überfüttert, den Intellekt als herausgeputztes Aushängeschild der sündhaften Egozentrik benutzt und der Einzelne nie tiefer fallen könne, als von Gott persönlich gehört zu haben und ihm dennoch nicht folgen zu wollen. Einzig “Janine” nervt, dieses dumme Ding, das sich andauernd Kolbachs Hand nähert. Anscheinend hat sie viel gut zu machen. Entlarvend schreibt Böttcher auch ihr nur allzu menschliche Schwächen zu. Mit dem “Interview mit dem Teufel” ist ihm die nächste Dimension gelungen. Der Dialog ist konzipiert, um auf der Bühne aufgeführt zu werden. Bleibt abzuwarten, mit wem die Hauptrolle besetzt sein wird. Böttcher selbst könnte sie stehen.
(Jesus.de)
Der Tag des Schmetterlings«
Jens Böttcher Interview
Von Rainer Buck 20.03.2009
Nach Deinem Roman »Steiner« erscheint nun unter dem Titel »Der Tag des Schmetterlings« ein Band mit »Short Stories«. Hast Du dazu in den Schubladen gekramt oder sind die Geschichten alle erst in neuerer Zeit entstanden?
Hm, warte mal... Ich glaube, ich hab so etwa im Mai 2008 mit dem Manuskript begonnen, und dann ging es ziemlich schnell mit dem Schreiben... Also, ja, die Geschichten sind alle ganz frisch. Ich habe die meisten auf Reisen geschrieben, sie sind fast alle an unterschiedlichen Orten, in Hotelzimmern, Cafés oder im Zug entstanden.
Ich hatte beim Lesen Deines Buches teilweise fast den Eindruck, ich hätte es mit einer Anthologie verschiedener Autoren zu tun. So variantenreich sind die Erzählungen.
Danke, das ist in diesem Fall ein wirklich schönes Kompliment. Ich habe mich natürlich darum bemüht, den Erzählstil »gefühlt« den Charakteren meiner Protagonisten und den jeweiligen Stories anzupassen. Und freue mich, dass es wohl scheinbar geklappt hat. Für mich selbst ist das Buch beinahe so etwas wie ein Papier gewordenes Konzeptalbum, eine CD, bloß ohne Musik (lacht).
Bist Du jeweils in unterschiedlicher Art in den Schreibprozess eingestiegen, oder gibt’s typische Vorgänge, wie Ideen für eine Böttcher-Geschichte gesammelt und zu Papier gebracht werden.
Es gibt deshalb keine »ganz typische Art«, weil ich es so empfinde, dass das Leben selbst mich inspiriert. Die Grundidee kommt also immer irgendwie »angeflogen« und dann setz ich mich irgendwann hin und schreibe entweder die Struktur auf, oder, wie bei diesen Short Storys, eigentlich fast ausschließlich, ... schreib die Geschichte eben einfach runter.
Gibt es in all der Verschiedenheit dennoch ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichten zieht?
Ja, auf jeden Fall. Es geht in allen Geschichten um die tiefste Art von Einsamkeit, um den Bruch des Menschlichen gegenüber dem Göttlichen, um Sehnsüchte, um unser aller Schicksal, das Verzehren des Menschen nach befriedigenden Antworten und vor allem nach wirklicher Liebe. Und in beinahe allen Geschichten gibt es dann eine Berührung mit dem Geheimnisvollen, dem Göttlichen. Aber diese Berührung muss keine klassische Antwort bedeuten, und schon gar nicht im oberflächlichen, frommen Sinne. Also, kurzum - ja, es geht um Einsamkeit und gefundene und scheinbar verlorene Liebe.
Die Titelgeschichte hast Du ja für eine Promo-CD eingelesen. Mir ist Dein Vortrag an einigen Stellen unter die Haut gegangen wie ein trauriger, autobiographischer Song.
Danke, das ist wieder ein sehr nettes Kompliment... Es könnte daran liegen, dass ich, wie ich ja schon sagte, die Geschichten aus dem Leben pflücke und dann einfach alles hineinlege, was ich selbst bin und habe. Ich habe keine Lust auf halbe Sachen. Ich beobachte die Menschen, aber ich beobachte natürlich auch mich selbst. Und mein eigenes Leben war im letzten Jahr stellenweise eine ziemlich harte Schlacht und ich bin ja tatsächlich dem Tod nur recht knapp von der Schippe gesprungen. Aber ich glaube in allem doch fest daran, dass in starken inneren Schmerzen oft die wirklich entscheidenden Antworten verborgen sind. Insofern hat diese Geschichte, wie die anderen auch, schon etwas autobiografisches, ohne dass es dabei allerdings wirklich um mich als Protagonisten geht. Es ist eher autobiografisch im Sinne von: Seelenbewegungen und Gedanken zu portraitieren, die mein eigenes Leben in der Schreibezeit geprägt haben. Trauer ist auf jeden Fall ein Teil davon.
Hast Du die Erfahrung gemacht, dass tief empfundenes Glück und Zerbruch so nahe beieinander liegen?
Ja, ich wünschte, ich könnte etwas anderes behaupten, aber ich denke wirklich, dass es so ist. Es scheint eine enge Verwandtschaft zwischen den beiden zu bestehen, denn in beiden geht es zwangsläufig um diese tiefe Liebe, von der ich gerade sprach und nach der wir alle uns sehnen. Ich halte für die Wahrheit, was der große Poet Khalid Gibran mal gesagt hat: So wie die Liebe euch krönt, wird sie euch kreuzigen. Und dann fügt er noch an: Wer wirklich tief lieben möchte, sollte sich wünschen, vom eigenen Verständnis der Liebe verwundet zu werden. Mir ist das passiert. Und ich beginne gerade dieser Tage damit, es als etwas ausschließlich Großartiges zu empfinden. Okay, ich geb zu, das war jetzt etwas kryptisch. Lest mehr Gibran, Leute! (lacht)
Wie haben solche Erfahrungen Deinen persönlichen Glauben geprägt?
Sie prägen ihn täglich und halten mich und meinen Glauben sehr wach. Im letzten Jahr hat sich für mich auf sehr drastische Weise die Erkenntnis vertieft, dass Gott uns alle mit einer so unfassbar gewaltigen Liebe liebt, für die es keine menschlichen Worte gibt und die um so vieles größer ist, als noch das frömmste Gefasel es je sein oder beschreiben könnte. Deshalb halte ich jetzt zu dem Thema lieber auch die Klappe. (lacht)
In einer der Geschichten schimmert fast etwas wie Verständnis für einen Mann durch, der aufgrund einer persönlichen Verletzung gewalttätig geworden ist. An anderer Stelle gibt’s den Menschen, der unter Widersprüchen in der christlichen Nischengesellschaft leidet und sich mit Alkohol betäubt. Der Held der Titelgeschichte wiederum hat Frau und Zuhause verloren und im bürgerlichen Leben Schiffbruch erlitten - sind das Typen, für die Du auch ein wenig deshalb um ein wenig Sympathie wirbst, weil es Brüder von Dir sein könnten?
Ja, das stimmt, ich werbe schon für die meisten von ihnen um diese Sympathie des Betrachters, selbst da, wo sie nicht wirklich sympathisch sind. Und ich sehe sie tatsächlich auch als Brüder, wie du sagst, aber in ihnen steckt noch mehr. Sie sind nicht nur äußere Brüder, sondern auch allesamt innere Facetten unserer eigenen Persönlichkeit. In all den Figuren des Buches sind also auch ein paar stellenweise unangenehme Fragen an uns selbst enthalten.
Kannst Du uns von ein paar typischen Reaktionen auf Dein Buch berichten?
Ja, die waren bisher wirklich sehr besonders. Ich habe eine ganze Reihe von Mails bekommen, in denen mir Leser ihr tiefes Gerührtsein beschrieben haben, was mich wiederum wirklich glücklich macht. Es gibt kein schöneres Kompliment, als Menschen mit der Kunst entweder zum Lachen oder zum Weinen zu bringen oder sie gar mit dem einen oder anderen davon zu trösten. In diesem Fall scheint es allerdings mehr ums Weinen zu gehen (lacht). Die Titelgeschichte und eine Story namens »Seelentänzer« haben bisher deutlich die meisten Reaktionen provoziert.
Die Inszenierungen Deiner Geschichten haben mich diesmal in einer Weise beeindruckt, dass es mir vorkommt, als hätte Deine Liebe zu Filmen Einfluss auf einige Geschichten gehabt. Bei der Geschichte mit dem unsichtbaren Herrn Meier musste ich an den wunderschönen James-Stewart-Film »Mein Freund Harvey« denken. Gibt es bestimmte Filme, die Du den Leserinnen und Lesern Deiner Geschichten zum »Weiterschauen« empfehlen könntest?
Oh ja, es gibt so viel tolle Filme... Ich glaube, dass es für mich aber in diesem Fall eher Kurzgeschichtensammlungen waren, die ich selbst gelesen habe und die in mir den Wunsch geweckt haben, es auch mal zu versuchen. Graham Greene, J.D. Salinger, Ernest Hello, auch da gibt es wirklich so viele brillante Sachen. Und irgendwie lagen die wohl alle mal in meinem Bett. Also, die Bücher jetzt. (lacht)
Oder, um zum Abschluss noch aufs Thema Musik zu kommen, gibt es Platten oder Songs, die man nach dem Lesen hören könnte?
Ja, da gilt beinahe das Gleiche, aber das fällt mir grade glatt ein bisschen leichter... Ich glaube, dass die Eels als »Sekundärmusik« stellenweise sehr gut zum Schmetterlingsbuch passen, oder die beiden Doppel-EPs von Jon Foreman vom letzten Jahr. Und das fantastische Frank-Sinatra-Album »In the wee small hours of the morning« ...
Mir würden zum »Weiterhören« in erster Linie natürlich auch Deine eigenen Alben einfallen, am dichtesten dran ist man im Augenblick noch mit dem »Reisefieber-Album«. Dürfen wir uns auch bald auf neue Musik von Jens Böttcher freuen?
Ja, das hoffe ich doch sehr. Wenn alles glatt geht, wird mein neues Album hoffentlich Anfang kommenden Jahres erscheinen.
Ich danke Dir für das Gespräch und wünsch Deinem Buch viele aufmerksame Leserinnen und Leser.
Steiner.
Wie viele Kilometer Spielzeug-Eisenbahnschienen sind es von von Österreich bis nach Italien? Acht Kilometer hat Professor Rückert bereits verlegt – und in seiner Fantasie reist er über die Alpen. Rückert ist der Professor des Sanatoriums, in das sich Steiner neureich selbst eingewiesen hat. Als entseelten Trinker, niveaulos wie ein klebriger, dreckiger Kneipenfußboden.
Dabei ist Steiner alles andere als eine gescheiterte Existenz. Er ist ein Sinn-Suchender. Ständig unterwegs in der unüberwindbaren Wüste zwischen lodernder Sehnsucht und löschender Realität. Nichts ist nur gut – und nichts ist nur böse. Denn “alles, was schön ist, hat die Kraft, dich umzubringen. Und alles, was die Kraft hat, dich umzubringen, kann nie und nimmer schön sein“, sinniert Steiner, der kurz bevor er an den Fragen des Lebens zerschellt Irene kennenlernt. Jenes Wesen, das seine Seele wärmt und nährt.
Böttcher spielt mit einem großen reichen Wortschatz. Er hat die Gabe, eine Vielzahl an Wörtern physikalisch so perfekt aneinander zu binden, dass das sprachliche Ergebnis einleuchtet wie die Erfindung der Glühbirne. Seinen Protagonisten, allen voran Steiner, entgeht nichts. Er fängt das Licht vom flackernden Docht eines letzten Kerzenstummels auf dem Tisch bis zum feuerroten Lichtstreif am Horizont. Steiner umfasst alles Greifbare, haptisch Wahrnehmbare und wendet sich gleichsam nach innen. Seine Geschichte ist so profan wie ein Ausflug vom Ententeich zum Seelenschmerz. Es könnte die Geschichte von jedem von uns sein.
„Steiner. Oder: die merkwürdige Lebensreise eines möglicherweise zurecht verrückten Gemüts auf dem Weg zu einem unbekannten Ziel, an dessen Erreichen sich nicht geringe Hoffnungen knüpfen“ ist ein sehr intensives Buch. Man begegnet Charakteren, denen man die Hand schütteln möchte, sie in den Arm nehmen oder ihnen gehörig den Kopf waschen. Nach all den Begegnungen mit Steiner, Rückert, Hohenstein, Elisabeth und Irene fragt man sich natürlich: wer ist der Mann, der dieses Buch geschrieben hat? Wer ist Jens Böttcher?
Beim Streifzug durch seine (äußerst interessante!) Homepage findet sich ein Hinweis auf jenes Ereignis, das Böttcher als biographisch bedeutendstes betrachtet: sein Weg vom melancholischen Suchenden zum bekennenden Christen. Nach abenteuerlichen Glaubenserlebnissen wurde er durch einen amerikanischen Pastoren in einer Hotelbadewanne getauft.
Ob sich dieses Erlebnis mit dem Höhepunkt im Leben des Johannes Steiner deckt, bleibt offen. Steiner sinkt auf eine Parkbank, als er sich der unbeschreiblichen Liebe des Himmels hingibt. „Der Güte Gottes, jener Flut der Liebe, die mein ganzes Sein in dieser Sekunde durchströmte wie ein klarer Gebirgsbach an einem goldenen Frühlingsmorgen.“
Authentisch, oder auch nicht, der Autor stellt ein Friedensangebot an sich, den Himmel und an Gott. Absolut lesenswert!
(Silke Meier für Jesus.de)
Mit »Steiner« auf merkwürdiger Lebensreise
SOUND7.DE-Interview mit Jens Böttcher
Von Rainer Buck
»Steiner oder: Die merkwürdige Lebensreise eines möglicherweise zurechtverrückten Gemüts auf dem Weg zu einem unbekannten Ziel, an dessen Erreichen sich nicht geringe Hoffnungen knüpfen«. Einen sperrigen Untertitel hat man dem Roman-Erstling von Jens Böttcher verpasst.
Nachdem schon Jens Böttchers im Frühjahr veröffentlichtes musikalisches Großwerk »Reisefieber« Etappen seiner eigenen geistlichen und realen Reisen beschrieben hat, unternahm es der sympathische Hamburger Künstler nun, eine ganze Lebensreise aufs Papier zu bringen.
Es ist freilich keine Biographie, sondern ein Roman, aber man kann schon ahnen, dass nichts den Schreibtisch Jens Böttchers verlässt, das nicht irgendwie erlebt und erlitten ist. Mehr dazu im SOUND7.DE-Gespräch mit Jens Böttcher.
Siehst du dich gerade als Bücherschreibender Musiker oder als Schreiber, der Musik macht?
Als beides. Es sind einfach verschiedene Ausdrucksformen, die gleichberechtigte Teile meiner Seele sind. Oder, um mal aus den »Blues Brothers« zu zitieren: Wir haben hier beides, Country UND Western.
Du warst mit Plass und Profitlich unterwegs auf Lesetour. Bist Du da im Schatten der Riesen gestanden oder hattest du den Eindruck, dass die Leute eigentlich hauptsächlich wegen dir gekommen sind ?
Haha... witzig! Natürlich sind tatsächlich nur ganz wenige von den Vielen meinetwegen gekommen... und die Vielen ganz zurecht wegen Adrian und Markus. Das waren tolle Abende und ich muss gestehen, dass ich schon lange nicht mehr so herzhaft gelacht hab.
Kannst du mit eigenen Worten eine kurze Inhaltsangabe deines Buches geben?
Es geht um die Lebensreise und Sinnsuche eines Mannes, Steiner, der sich in unserer Welt absolut nicht zurecht findet und deshalb immer wieder abzustürzen droht. Nach einer unvermeidlichen seelischen Eskalation verbringt er dann über zehn Jahre in einem Sanatorium und blickt von hier auf sein bisheriges Leben zurück.
Außerdem trifft er hier einige wirklich irre Typen... die sich bei näherer Betrachtung aber gar nicht so sehr von uns allen unterscheiden. Der Sanatoriumsdirektor, selbst ein ziemlich schräger Vogel, ermutigt Steiner schließlich im letzten Drittel des Buches sich dem »richtigen Leben« endlich zu stellen. Was am Ende dabei herauskommt, verrate ich hier aber natürlich nicht...
Wieviel Autobiographisches steckt in Steiner?
Also... Günter Grass hat auf diese Frage mal gesagt, dass man sich das so vorstellen muss, als würde er über einem mit Wasser gefüllten Becken – seinen Geschichten – ein kleines Loch in seinen Finger pieksen und das Blut ins Wasser tröpfeln lassen. Und so sei schon mit einem Tropfen das ganze Becken von seinem Blut durchfärbt, ohne vollständig daraus zu bestehen.
Und wenn ich in diesem Bild bleibe, würde ich sagen, dass ich mir in diesem Fall über dem Becken doch recht tief und wuchtig in die Hand geschnitten hab.
Hast du irgendwelche literarischen Vorbilder?
Oh, es gibt eine ganze Menge Autoren, die ich wirklich bewundere. Von Kafka bis Graham Greene, Papini, Bloy, Kierkegaard, Exupery.. die Liste könnte jetzt ziemlich lang und bunt werden und wird eigentlich jedes Jahr immer umfangreicher.
Letzte Woche habe ich zwei Kurzgeschichten von Tolstoi gelesen, die mich wirklich umgehauen haben... es gibt so viel literarische Brillanz in der Welt. Ich könnte echt endlos weitermachen... Goethe, Schopenhauer, Nick Hornby, Tim und Struppi ...all sowas steht in meinem Bücherregal.
Warum sollte jeder den Steiner gelesen haben?
Hm... Ich weiss nicht, ob jeder Steiner gelesen haben sollte, wäre natürlich schön... ich glaube aber fest, dass es jeder lesen wird, der es wirklich lesen soll... und Bücher, die JEDER gelesen haben sollte sind die vier Evangelien.
Trügt mich der Eindruck, dass du den Lesern nicht nur Stoff lieferst, der das Leben erklärt, sondern dass du auch bewußt ein paar Fragen in der Schwebe läßt?
Nein, er trügt dich nicht. Ich habe gelernt, wie schrecklich selbstgerecht es wirkt, wenn Menschen suggerieren, sie hätten auf alles eine Antwort. Ich gehöre nicht zu diesem Club der Alleswisser. Ich bin auf der Reise. Es gibt so endlos vieles, von dem ich nicht den Schimmer einer Ahnung habe.
Ich behaupte, in der Belletristik hängt die zeitgenössische christliche Kunst deutlicher als in der Musik hinter vergleichbaren säkularen Veröffentlichungen her. Gibst du mir da recht oder im Namen deiner christlichen Schreiberkollegen eine aufs vorlaute Maul?
Nicht solange dein vorlautes Maul so wahre Sachen sagt! Also, ich seh das genau wie du. In der christlichen Szene besteht ja immer dieser schreckliche Anspruch am Ende »politisch korrekt« sein zu müssen, damit man nicht gleich von den lieben Geschwistern die Hucke verbeult kriegt.
Das ist eine fast unüberwindbare und korrupte Kreativitätsdämpfung. Und es macht vieles kaputt, da das ewig gleiche Schönwetterschreiben natürlich auch nach außen oft wirkt, wie ein miserabler Witz. Es gibt aber natürlich auch Ausnahmen. Zum Beispiel Adrian Plass. Oder als schönes und aktuelles Beispiel aus der direkten Nachbarschaft »Im System« von Doro Wiebe. Und sicher noch einiges mehr.
Wie hoch ist eigentlich Dein eigener künstlerischer Anspruch als Romanschreiber?
Sehr hoch. Ich versuche ja immer, das absolut Beste zu machen, das gerade in mir vorhanden ist. Aber diese persönliche Messlatte verschafft mir gleichzeitig auch Erleichterung, denn ich bin dabei klug genug, mich nicht mit den wahrhaft großen Literaten zu vergleichen. Besser werden möchte ich natürlich trotzdem, eigentlich bei allem was ich tue.
Wie sind so die Reaktionen auf Steiner?
Großartig bisher. Die meisten Leute, die´s gelesen und mir ein Feedback gegeben haben, fanden´s toll, trotz oder gerade wegen der Steiner´schen Achterbahn-Spannung aus Tragik und Humor.
Sind weitere Bücher aus Deiner Feder zu erwarten?
Jap!
Weil wir ja auf einer christlichen Seite sind: gibt's noch eine nicht gestellte Frage, auf die Du unseren Lesern hier im Auftrag des Herrn eine Antwort geben möchtest?
Ja, und zwar, ob ich allen Lesern Frohe Weihnachten wünsche. Und frohe Ostern! Und die Antwort ist ja! |