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Leise, die Seele bewegende Lieder aus der Feder eines tiefgründigen Rockpoeten, erklangen am Samstagabend in der Wissenbacher Kirche. Authentisch und in seiner markanten Ausstrahlung präsentierte Jens Böttcher seine deutschsprachigen Liedtexte. Intensiv und zugleich sanft entwickelte der lyrische Konzertabend eine beinahe therapeutische Wirkung.
(Aus einem Konzertbericht)
Jens Böttcher ist menschlich, musikalisch, überhaupt künstlerisch, im Grunde aber in allen bekannten Kategorien inklusive seiner Schwächen das kommunizierbare Ausrufezeichen einer christlichen Welt, wenn man die denn überhaupt derart explizit abheben sollte. Die Authentizität seines Schaffens ist unikal, schonungslos und dennoch voller Liebe. Kein Musiker mit christlichem Glauben hat in Deutschland intensiver über (Gottes) Liebe gesungen, nur wenige Songwriter hierzulande können sich talentierter schimpfen.
(Sound7)
Die Authentizität und Songschreibekunst des stets von etwas lakonischer Outlaw- und Punkattitüde umwehten Schreibers und Folksängers zieht dabei ein Publikum in ihren Bann, das sich aus allen Altersklassen, sozialen Schichten und Konfessionen zusammensetzt. Dass es in Böttchers Songs immer auch um christliche Spiritualität geht, wird schnell deutlich.
„Natürlich“, sagt der Künstler selbst: „die Suche nach dem Sinn, der vollkommenen Liebe und unserem inneren Weiterkommen zieht sich durch meine Kunst wie ein roter Faden – egal, ob ich Bücher schreibe oder Comedy oder Platten mache. Das Leben ist wundervoll oder tut schrecklich weh oder sogar beides gleichzeitig… es ist wie eine tragikomische Reise, bei der man nicht weiß, ob man die nächste Etappe lebendig oder tot oder geteert und gefedert erreicht. Ohne meinen tiefen Glauben wäre ich an diesem stürmischen Gemisch längst im großen Stil gescheitert.“
Als Teaser für das Album erschien vorab die erste Single „Ich kenn das auch“ - und schaffte es sofort in die Playlist von N-Joy-Radio (NDR) Und der Song war tatsächlich eine vortreffliche Wahl als erste Auskopplung – ist er doch eine Art Mikrokosmos des Böttcher´schen Schaffens: Melancholisch, aber doch beschwingt, tröstend, aber nicht mitleidig, stets hoffnungsvoll, aber nicht flach.
(Regensburger Zeitung)
Er ist Sänger, Radiosprecher, dreht Werbespots fürs Fernsehen und bringt nebenbei Bücher heraus. Es scheint kein Talent zu geben, mit dem Jens Böttcher nicht ausgestattet worden ist. Wir suchen nach der passenden Schublade für den Mann, der alles dafür tut, nicht in Schubladen gesteckt zu werden.
Köln, Westbahnhof, Quest-Bar - 19:10 Uhr. Während draußen der Regen auf den Boden prasselt, rauschen über unseren Köpfen im 10-Minuten-Takt die Züge vorbei. Drei Meter tiefer machen wir es uns in gedämpftem Licht, sanfter Musik und gemütlicher Atmosphäre bequem. Langsam füllt sich die Bar, letzte Töne des Soundchecks verstummen. Normalerweise der Zeitpunkt für Stars, sich geradewegs zum Hinterausgang zu begeben, um sich erst kurz vor ihrem großen Auftritt wieder auf der Bühne blicken zu lassen. Nicht so für Jens Böttcher, der sich mitten unter seine Gäste mischt: Freunde, Bekannte, Claqueure, Ü30-Singlefrauen. Die Gästeschar könnte bunter nicht sein. Boettcher hat sich im Mittelpunkt des Pulks eingerichtet. Sein offener Blick verrät: Das Interesse ist echt. Trotz Stadtstreicherimage und Raucherstimme hinterlässt der raue Clochard durch seine greifbare Nähe einen unerwartet menschlichen Eindruck. Softie trifft es ganz gut. Einer der alternativen Art. Vereinnahmend. Positiv.Jens betritt die Bühne. Der „deutschsprachige Gospelfolk“, wie er seine Musik selbst nennt, mag so gar nicht zu seinem Äußeren passen. Der lange schwarze Mantel, die strubbeligen Haare, sein vernarbtes Gesicht. Das alles erinnert vielmehr an das optische Beiwerk zu lauten Metal-Riffs. Stattdessen gibt es melancholische Popchansons, etwas verrotzt im markant kratzigen Tonfall. Jens Böttcher nimmt sich einfach von allem Etwas und vereint es in einer Person. Früher, so verrät er, hat er tatsächlich in ruppigen Rock- und Punkbands gespielt. Und ist froh, diese Zeiten hinter sich gelassen zu haben. Statt seinen eigenen Lebensschmerz in Töne zu gießen, will er mit seiner Musik jetzt Etwas bewegen: „Wir singen über Liebe. Gottes Liebe und die Liebe zueinander!“, betont Jens bei seinen Konzerten immer wieder. Schon seit 2001 prägt diese Liebe seine Musik, seine Bücher und deren Protagonisten. In seinem Debutroman „Steiner“ etwa, findet der planlose, verrückte Millionär Johannes Steiner seine Erfüllung zuletzt in Gott.Ein wenig scheint das auch Jens’ Geschichte widerzuspiegeln, schließlich bezeichnet er sich selbst als einen „Sinn suchenden Menschen“. Diese Sehnsucht kann man auch in seinen ersten beiden Soloalben „Himmelherz“ und „Reisefieber“ wiederfinden. Metaphorische Liedzeilen wie: „Ich möchte gerne tiefer sein. Wie der Ozean.“, lassen unerfüllte Wünsche erkennen. Schließlich gibt es auch in Jens’ Leben dunkle Seiten, das meint man in seinen ehrlichen und intensiven Texten jedenfalls spüren zu können. Vor seinem Soloausritt hat er bereits zwei Alben mit Mark Rosenbrock veröffentlicht. Und rastlos arbeitet er gerade an einem neuen Album, das im Frühling erscheinen soll, und an drei neuen Manuskripten. Nebenbei spricht Jens auch noch für Hörbücher, fürs Fernsehen und im Radio. Was ihn so produktiv macht? Vielleicht ist es seine Kreativität, vielleicht der Missionsgedanke, vielleicht aber auch nur der leere Geldbeutel. Denn von der Idee, von seiner Kunst reich zu werden, hat sich Jens längst verabschiedet. Als kompromissloser Künstler wisse man schließlich nie, wo nächste Woche die Kühlschrankfüllung herkomme. Besonders beunruhigt scheint Jens dabei aber nicht zu sein. „Es ist eben auch eine Vertrauensübung!“So wirkt es auch total natürlich, als wir uns für unser Interview mit Jens in einer Abstellkammer wiederfinden. In der Ecke rauscht die Lüftung, durch die Tür dringt gedämpfte Musik. Während wir es uns auf leeren Getränkekästen bequem machen, zündet sich Jens genüsslich eine Zigarette an und öffnet seine Flasche fachmännisch mit dem Feuerzeug. Dinge, die er offensichtlich auch nach 2001, dem Jahr seiner Bekehrung, nicht verlernt hat. Auch andere Dinge war er nicht bereit aufzugeben: In der linken Hand eine Zigarette, in der rechten ein Glas Wein haltend, spricht Jens von seinem Glauben. Dass sein Auftreten so gar nicht dem Einheitsbild eines Christen entspricht, stört am wenigsten ihn selbst.Zigaretten, Alkohol und der Wunsch, auch als Christ individuell und frei bleiben zu wollen: Jens war zeitlebens ein rebellischer Junge. Als Jugendlicher brach er von einen auf den anderen Tag die Schule ab und wollte Punk sein, ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutete. Die Außenseiterrolle – ein einkalkuliertes Risiko: „Ich wollte halt irgendwie anders sein.“ Die Rechnung ging nicht auf, Jens kehrte mehr und mehr in sich, sehnte sich nach Liebe. Dass es einen Gott gibt, der Wunder vollbringen kann und wohlmöglich auch in der Lage war, diese Sehnsucht nach Liebe zu stillen, bezweifelte Jens nie. „Aber ich hab’ nicht gedacht, dass das was mit mir zu tun hat.“ Christen wollte er immer möglichst weit von sich fern halten. „Ich dachte, in der Welt ginge es nur darum, dass jeder das Beste für sich will. Es kann kein Mensch vollkommen sein, auch kein Christ.“ Also waren Christen Heuchler für ihn. Und Lügner. Es dauerte fast sein halbes Leben, bis er vom Gegenteil überzeugt wurde. Und Gott seinen Finger in Jens’ Wohnzimmer hielt. „Völlig irre und mystisch“ bezeichnet Jens’ die Szene, die sich eines Tages in seinen eigenen vier Wänden abspielte: Der amerikanische Prediger Bayless Conley schaffte es, den Eigenbrötler zu berühren - durch den Fernsehapparat. „Ich hab’ angefangen zu weinen und wusste, dass die Botschaft von Jesus für mich ist.“ Doch er wollte noch mehr, keine halben Sachen: „Ich habe gewusst, dass dieser Fernsehprediger mich tauft!“ Und da Jens zu dem Schlag Menschen gehört, die wirklich um die Dinge kämpfen, die ihnen wichtig sind, erscheint es nur als logisch, dass Bayless Conley zufällig kurz danach nach Deutschland kommt. Nach Hamburg um genau zu sein. In die Stadt, in der Jens wohnt. Also wäre eigentlich alles ganz einfach gewesen, gäbe es keine Regeln. Die deutsche Gemeinde, in der Conley zu Gast ist, schlägt Jens’ Bitte ab: Dass Conley Jens in Deutschland tauft sei nicht möglich, zu kompliziert.?Aufgeben? Niemals! Und so kommt es, dass der Individualist eines Tages aus einer Hotel-Badewanne auftaucht – als Christ. Getauft von Bayless Conley. Ganz ohne Kirche, ohne Regeln. Irgendwie passt das ja auch viel besser zu ihm, als ein ganz normales Taufbecken. Die Wirkung ist aber dieselbe: „Ich bin aus dieser Wanne nicht als der gleiche Mensch rausgekommen, als der ich reingegangen bin. Er hat mich mit seiner Liebe berührt.“Gottes Liebe. Von der spricht Jens fast so oft wie von der Freiheit, die er als Christ hat. Christsein heißt frei sein, sagt er. Und frei sein, heißt anders sein zu können – bei Jens ist das auf jeden Fall so. Mit den Dingen, die in der Gefahr stehen als „typisch christlich“ bezeichnet zu werden, will er nichts zu tun haben. Damit das auch jedem klar ist, betont er bei seinen Konzerten, dass er seine Musik keinen frommen Erwartungen anpassen will. Dass er keinem frommen Vokabular folgt. Was er deshalb nicht mag, sind Leute, die Gesetze machen, wo Freiheit hin gehört. Fundamentalisten nennt er sie, deren Grundlage nicht mehr die Liebe ist, sondern Regeln. Und die andere, die nicht nach diesen Regeln leben, verurteilen. „Doch darum geht’s überhaupt nicht.“, erklärt Jens noch mal: „Wir sind frei!“ Das Patentrezept für die Begegnung mit so einem Fundamentalisten und wie man ihm etwas von der Liebe erweist, die er braucht, hat Jens natürlich auch in der Tasche: „Wenn also“, ruft er seinem Publikum mit der markanten Stimme zu, von der er selbst sagt, dass sein ganzes Leben in ihr ist, „wenn also ein komischer Fundamentalisten-Christ vor euch sitzt, ladet ihn einfach zu einem Schnaps ein und erweist ihm auf diese Weise ein bisschen was von der Liebe, die ihr an ihm vermisst!“
(Jesus.de)
Es scheint, als wäre der Autor hauptberuflich Menschenkenner - er geht hinaus in den Alltag, um seine Geschichten zu finden. Wo viele nichts sehen, da entdeckt Jens Böttcher Wunder.
(Christian Döring über den „Tag des Schmetterlings“ bei Sound7)
Jens Böttcher wird ein freudestrahlender Empfang beschert. Die optimale Akustik durch die gute Technik ist ein Sache, seine Instrument und insbesondere die Songs (ausschließlich vom neuen Album) aber so gut zu beherrschen, eine andere. Inmitten all dieser Perfektion versprüht er eine selbstverständliche Wärme und Menschlichkeit, als wollt er jeden einzelnen Besucher nach dem Konzert noch warm baden und zu Bett bringen.
(EZ-Online nach einem Konzert in Scharnhausen)
Jens Böttcher, der sich gleichermassen der Musik als auch der Schriftstellerei verbunden fühlt, las aus seinem Roman "Steiner" und dem gerade erschienen Kurzgeschichten-Band "Der Tag des Schmetterlings". Musikalisch beeindruckte der vielseitige Künstler mit Liedern aus seinen Alben "Reisefieber" und "Himmelherz". In einer gekonnten Mischung aus leisen und lauten Tönen zauberte der Künstler den Zuschauern mal ein Lächeln, mal ein Innehalten oder sogar mal eine Träne ins Herz.
(Gießener Zeitung, April 2009)
Reisefieber
Vielen ist christliche Rockmusik ein Dorn im Auge oder zumindest ein ähnlich verlockender Begriff wie Lebertran. Jens Böttcher, könnte man sagen, macht christliche Rockmusik. Man könnte aber auch sagen: Böttcher ist ein Rock´n Roller, der zwischen Singer/Songwriter und den Replacements zu Hause ist. Der ruhige und schöne Nummern schreiben kann und solche, die man ein „rechtschaffenes Brett“ nennen könnte. Sein neues Doppelalbum besteht aus einem Band- und einem Akustikalbum. Auf ersterem rockt Böttcher, dass es eine Art hat, auf letzterem schlägt er sanftere Töne an. Inhaltlich geht es auf „Reisefieber“ um die Suche nach einem Sinn im Leben. Und um die Antwort, die Böttcher für sich gefunden hat. Was ihn dabei von jener Lebertran-Variante der christlichen Rockmusik unterscheidet: die exzellenten Texte, die tatsache, dass es in seiner Welt auch dunkle Seiten gibt, und vor allem: dass er nicht missioniert. Sondern schlicht und einfach berührt.
(lr für „notes“)
Poetische Texte transportieren eine unverstellte Innenansicht mit einem fast schon zärtlich zu nennenden Unterton, von entwaffnender Ehrlichkeit und beeindruckenden Intensität (...) Wenn man den sympathischen Hamburger nach seinen Träumen für die Zukunft fragt, dann kommt eine ungewöhnliche Antwort. Nicht Geld, nicht Ruhm, keine Millionenverkäufe und Platinplatten: „Ich möchte gerne tiefer sein. Wie der Ozean. Ich möchte ein Liebender sein, ich möchte mehr innere Ruhe finden und mehr geben können.“ Erfolg hält er ohnehin für relativ: „Wenn ich eine Platte dreimal verkaufe und die Texte drei Menschen berühren, dann ist das doch ein Erfolg, oder?“
(Annette Lübbers für „Neues Leben“)
Der Abend machte Musiker wie Publikum offensichtlich gleichermaßen Spaß. Und mit dem Wechselspiel zwischen fetzigen Rock-Songs, die für Bewegung sorgten und leisen, die Seele bewegenden Liedern holte der Hamburger Musiker die jungen Leute dort ab, wo sie stehen und entfachte in ihnen das "Reisefieber" für die Reise durch das Leben, das ja noch vor ihnen liegt.
(aus einem Konzertbericht in der Zevener Zeitung)
Eine Stimme, die unter die Haut geht und Texte, die das Innerste berühren; damit begeisterte Jens Böttcher die Zuhörer bei seinem Konzert in Geislingen.
(aus einem Konzertbericht der Geislinger Zeitung).
Lieder aus dem Sturm des Lebens
Nachdem SOUND7.DE letzte Woche ein Interview mit Singer/Songwriter Jens Böttcher über dessen Roman »Steiner« veröffentlichte, soll nun nochmal sein Album »Reisefieber« gewürdigt werden. Auf der persönlichen Jahresbestenliste unseres SOUND7.DE-Autors steht das 32-Song-Paket ganz weit vorne.
Soll man einen Fan über das Objekt seiner Bewunderung schreiben lassen? Hat die SOUND7.DE-Redaktion womöglich einen Fehler begangen, als sie mich einlud, etwas über Jens Böttchers Album »Reisefieber« zu schreiben? Wahrscheinlich vertrauen sie darauf, dass der aufrechte »Parteigänger für gute Musik«, der in mir drinsteckt wie Gottes guter Geist, nie einem wirklichen Musikfreund begegnen möchte, der ihm sagt: »Ich habe aufgrund Deines falschen Zeugnisses eine schlechtes Album gekauft!«
Deshalb bekenne ich zwar frank und frei, ein hochgradiger Verehrer Böttcher'schen Schaffens zu sein, werde mich aber bemühen, seine musikalische Leistung so objektiv darzustellen, dass jede Leserin/jeder Leser selbst zwischen Zustimmung und Ignoranz entscheiden kann.
Der letzte Halbsatz war natürlich leicht ironisch gemeint, aber er verdeutlicht auch ein wenig, dass Jens Böttcher bisher mit allen seinen Veröffentlichungen recht stark polarisiert hat. Als er seinerzeit mit Kumpel Mark Rosenbrock (der letztens wieder in Böttchers Band mitmischte) in der christlichen Szene auftauchte, rieb sich mancher verwundert die Augen, weil da so musikalisch ungeschliffen, verbal unzensiert und ohne Rücksicht auf moderne Empfindlichkeiten die Frohe Botschaft gepredigt wurde.
Was den einen musikalisch vergleichsweise primitiv und ungehobelt erschien, ließ andere aufhorchen, denn da entdeckte man eine Leidenschaft für ursprüngliche und besonders in der amerikanischen Volksseele tief verwurzelte Musikstile. Da war einer mit dem Herzen ganz nahe dran an Instiktmusikern wie Elvis Presley und existentialistischen Songwritern wie Hank Williams.
Ich weiß noch, dass das erste Rosenbrock & Böttcher-Album (2002) für mich eine kleine Offenbarung war, denn erstmals hatte ich den Eindruck, dass auf einer deutschsprachigen christlichen Produktion Liebe und Leidenschaft gleichermaßen für die Musik wie für die Botschaft zum Ausdruck gebracht wurden. Das Evangelium war endlich einmal auch für »Rock'n Roller vor dem Herrn« musikalisch stimmig verpackt.
Auf seinem ersten Soloalbum »Himmelherz« (2005) ist Jens Böttcher dann näher an die Zunft der rockorientierten deutschen Liederpoeten herangerückt. Hier nahmen leise und manchmal melancholische Töne viel Raum ein, doch strahlten diese Lieder Trostkraft aus und konnten in ihrer poetischen Sprache Herzen berühren.
»Himmelherz« erntete begeisterte Reaktionen, aber es gab auch Stimmen die fragten, was in aller Welt an dieser Produktion so besonders sein sollte. Meine persönliche Antwort: Vielleicht liegt es daran, dass die Lieder in der Regel nicht »gemacht« sondern »erlebt« wirken und dass es da, wo es rocken soll, dann auch gleich auf eine Art losgeht, dass es einem ein Lächeln und keinen Krampf aufs Gesicht zaubert.
Knapp zwei Jahre vergingen, bis dann der Nachfolger für »Himmelherz« vorlag. Der Singer/Songwriter schöpfte kreativ aus dem Vollen und legte gleich ein Doppelalbum vor: im schmucken Digipack stecken zwei Silberlinge mit jeweils 16 (!) Songs. Auf CD 1 begleitet eine fulminant rockenden Band die Seelenreise des Songpoeten, während er sich im zweiten Teil meist allein mit seiner Gitarre präsentiert, allenfalls gibt es da einmal ein paar dezente Streicher- oder Akkordeonornamente.
Mit vielen der Reisefieber-Songs zeigt Jens Böttcher eine weitere Reifung als Schreiber. Manchmal schmiegen sich die Melodien so eng an die Worte und werden so tief aus dem Herzen interpretiert, dass ich ihn schon mit den ganz Großen der Songwriter-Zunft vergleichen möchte, die es in ihren lebensrettenden Songs schaffen, den kollektiven Schwingungen des fühlenden Teils der Menschheitsseele Ausdruck zu verleihen.
In einer als kalt verschrienen Welt muss man sich fast Sorgen machen, ob eine solche Offenherzigkeit verstanden wird oder ob sie zynische Zurückweisung erfährt. Die Gefahr, dass man ihn als gefühlsduselnden Befindlichkeitsschreiber in eine Ecke abschieben könnte, bannt Böttcher auf »Reisefieber« allerdings dadurch, dass er seine Botschaften in einige der derzeit am coolsten und prägnantesten rockenden Songs deutscher Sprache verpackt.
Das Indie-Musikmagazin »notes« attestierte ihm, dass er Nummern schreibt, die man »ein rechtschaffenes Brett nennen kann« .Das Rock'n Roll-Feeling entsteht nicht aus der Aufschichtung lärmender Gitarrenwälle, sondern endlich einmal aus der Überwindung jener Schwerfälligkeit, die sich in der neuen Rockmusik breitgemacht hat, seit fast jede Amateurband mittels Studiotechnik beliebig »fett« klingen kann.
Musikalisch sind Böttcher und sein kreatives Studioteam Karsten Deutschmann und Henry Sperling sicher keine Avantgardisten (welches Neuland könnten Gitarrenrocker heute noch betreten?). Aber sie haben viele gute Roots-Rock-Platten gehört und bei den richtigen Vorbildern gelernt.
Mit dem ungewöhnlichen Lobpreis-Song »Nur in Dir« oder dem punkig treibenden »Immer weiter« haut Böttcher diesmal richtige Ohrwürmer raus. Das Segenslied »Auf bald« taugt zum Klassiker für Taufgottesdienste. »Nie näher« ist ein wagemutiges Glaubensbekenntnis ohne Katechismus-Prüfsiegel.
Die leisere, folkige CD 2 hat ihre eigenen Höhepunkte: »Jesus ich bin da« strahlt eine wohltuende Leichtigkeit aus. »So tief« und »Am anderen Ende« sind, wunderschöne hingebungsvolle Balladen. »Nur die Liebe« gehört zwar nicht zu meinen musikalischen Favoriten, ist aber inhaltlich so etwas wie ein Leitsong für Böttchers Mission in der christlichen Welt.
Eine Hommage an den großen Rockpoeten Rio Reiser ist die Coverversion von »Übers Meer«. Zugleich öffnet sie den Blick für einen, der Böttcher sicher als Schreiber und Sänger inspiriert hat. Ich könnte hier ziemlich jedes der 32 Stücke würdigen. Auch wenn sich einzelne Themen wiederholen oder Kenner früherer Böttcher-Werke mal ein Selbstzitat entdecken werden, klingt hier nichts nach aufgewärmter Routine und jeder dieser Songs scheint geeignet, herauszufordern oder irgendwo ein Menschenherz zu trösten und aufzubauen.
Um im Blick auf Kritiker auf Nummer sicher zu gehen, hätte Jens Böttcher vielleicht versuchen können, die vermeintlich stärksten Songs für eine Einzel-CD herauszufiltern. Aber da ihm die Texte in einer bewegten bis stürmischen Lebensphase nur so aus der Feder geflossen sind, kann er wohl davon ausgehen, dass es da Menschen gibt, die sich in seinen Liedern wiederfinden, weil sie die gleichen Fragen, Ängste, Sehnsüchte und Hoffnungen haben. Deshalb gehören die Songs nicht ins Archiv sondern unter die Menschen.
(Rainer Buck für Sound7)
HIMMELHERZ Jens Böttcher
Wellen hatte es geschlagen, das Erstlingswerk des Hamburger Duos »Rosenbrock
und Böttcher«. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt reichten die
Reaktionen der Fachwelt und vor allem des Publikums. Von Genialität war
die Rede, aber auch von Unfähigkeit oder gar Dilletantismus.
Das alles ist drei Jahre her. Drei Jahre, in denen ein weiteres Album
das Licht der Welt erblickte und sich Mark Rosenbrock aus dem aktiven
Musikerleben zurückgezogen hat. Und jetzt also Jens Böttcher solo.
Himmelherz. Aha.
Wieder ein Album, das Wellen schlagen wird? Genialität? Dilletantismus?
Doch der Reihe nach. Unter den bewährten Fittichen des Produzentenduos
Henry Sperling und Karsten Deutschmann vom Hamburger »Gentle Art Studio«
hat Jens Böttcher 16 Lieder ausgewählt und zu einem Album
zusammengefügt. Hinter diesem lapidaren Satz verbirgt sich das Beste,
was musikschaffende Christen aus Deutschland in den vergangenen Jahren
hervorgebracht haben.
Dass die CD in »Kein Weg zu weit« einen unglaublich bewegenden Auftakt
hat, ist die eine Sache. Dass das Niveau im Laufe der kommenden knappen
Stunde nicht nachlassen wird, ist die andere. Zwischen Songs, die
mitreißend unangestrengt rocken, ohne auf die Zuhilfenahme von
ausladenden Effektgeräten angewiesen zu sein, findet man Balladen, die
mit diesem Wort nur sehr unzureichend beschrieben sind. Kein abstoßender
Kitsch, sondern mitten ins (Himmel-)Herz treffende Reduziertheit.
Dass manchmal eine Gitarrensaite kratzt oder das Schlagzeug scheppert,
tut dem keinen Abbruch, sondern ist im Gegenteil gewollt und trägt sein
Scherflein zur Intimität des Albums bei. Auch die bisweilen
hinzustoßenden Streicher haben mit breitwandigem Bombast anderer
Produktionen nichts gemein, sondern unterstützen mit dezenter
Melancholie die unbeschreiblich intensive Atmosphäre.
Und als sei das alles noch nicht genug, wartet die Scheibe mit einigen
illustren Gastspielen auf. So legt der amerikanische Fernsehpastor
Bayless Conley auf »Nananana« ein Bluesharpsolo hin, das sich gewaschen
hat und Gerd-Ekken Gerdes wertet die munter rockende Neuauflage des
Klassikers »Die ganze Welt in seiner Hand« mit launigem Quartettgesang
auf.
Unter den vielen guten Songs ist dann doch noch ein herausragender.
»Frieden« heißt er. Und Sarah Brendel singt mit. Und wie sie singt. Bei
keiner anderen Produktion klang ihre Stimme je so im positivsten Sinne
nackt und verletzlich.
Selbst dem weniger aufmerksamen Leser wird inzwischen aufgefallen sein,
dass ich die Musik von Jens Böttcher für etwas Besonderes halte. Wahre
Größe erhält das Album allerdings erst durch seine entwaffnend
ehrlichen, bewegenden und dabei nicht selten lyrisch wertvollen
(deutschen) Texte. Es kam beim Hören einer neuen CD aus christlichen
Kreisen schon häufiger vor, dass ich mich von den
Texten auf den Arm genommen fühlte. Die vorliegende Produktion ist einer
der seltenen Fälle, in denen aus dem »auf« ein »in« wird.
Mein Himmelherz jedenfalls genießt dieses Album mit jedem Schlag und
freut sich schon auf die hoffentlich noch folgenden Takte.
Daniel Monninger für Sound7 31.10.2005
Jens Böttcher
Himmelherz
Für auf charttaugliche Songs getrimmte Ohren ist sie erstmal
gewöhnungsbedürftig, die Musik von Jens Böttcher, der einen Hälfte von "Rosenbrock
& Böttcher". Das Solo-Album des Singer / Songwriters bewegt sich weit
weg von allem Mainstream. Mit schnörkellosem Deutsch-Folk-Rock auf einer
Reise vorbei an den Abgründen und Melancholien des Lebens "direkt zur
Himmelstür". Tiefsinnig, tieftraurig und dabei nur so triefend vor
Glaube, Liebe und Hoffnung. Im Zentrum der
Musik mit dem wunderbar nahbar unperfekten Touch stehen Jens' Stimme und
Akkustik-Gitarre, zeitweise umgeben von Streichern, Bass, Schlagzeug,
Mundharmonika oder einem Gastauftritt von Sarah Brendel. "Himmelherz"
ist Musik wie warmes Licht. Liebenswerte Lieder zum Luftholen in großen
und kleinen Sehnsuchts-Momenten.
(Doro Wiebe für dran)
Jens Böttcher Himmelherz
Asaph - 16 Tracks - 58:02
Stil: Alternate Deutsch-Nu-Country-Folk-Blues-Rock
Rosenbrock + Böttcher sind im Moment auf Eis gelegt. In der Zwischenzeit
präsentiert der Hamburger Songwriter mit der rauhen Stimme ein
Solo-Album in bester ungeschliffener Nu-Country-Folk-Manier. Die Songs
von Jens Böttcher sind so direkt, rauh und herzlich wie er selbst. Er
nennt die Dinge beim Namen, packt sie in Alltagslyrik und aufbäumende
Hooklines.Hier singt einer ohne Rücksicht auf Verluste von der Liebe
Gottes, läuft mit offenen Augen durch die Großstadtstraßen seiner
norddeutschen Heimat und atmet direkt aus dem Herzen. Zu seinem
musikalischen Spartakus-Bund gehören Musiker, mit denen er schon vor
seiner Hinwendung zu Jesus zusammen gespielt hat. Bei
den Arrangements fehlen sämtliche Weichspüler-Effekte, die Gitarren
schrammeln, das Schlagzeug poltert, das Akkordeon quietscht und die
Blues-Harp jault. Wem die Hamburger Country-Rocker "Fink" nicht fromm
genug, sind, der findet hier einen musikalischen Blutsverwandten bei
Jens Böttcher, der seinen Liedern zudem noch jene Hoffnung eingeimpft
hat, die wir alle so nötig haben.
Wie ein tiefroter Faden zieht sich diese Hoffnung durch alle seine
Lieder und in den Bearbeitungen von Er hält die ganze Welt in seiner
Hand und Welch ein Freund ist unser Jesus schlägt dieser Faden noch ein
paar rhythmische Schlaufen. "Manchmal gibt es Sachen, für die es keine
Worte gibt" - singt Jens Böttcher, seine CD ist eine dieser Sachen...
Volker Gruch
Ein Interview mit Jens Böttcher
Exact Magazin-Titelstory 11/05
1) Hallo Jens, die neue CD ist draußen, wurde auch gebührend gefeiert
mit einer Release-Party im Tonstudio. Wie fühlt sich Dein "Himmelherz"
an und wo schlägt es momentan?
Danke, mein Himmelherz fühlt sich sehr gut an, denn es ist sich weiter
seiner absoluten Unperfektheit und proportional dazu eben Gottes
wunderbarer Gnade und Liebe bewußt. Wo es schlägt? In einem Menschen,
der sich darauf freut, immer weiter Richtung Himmel wachsen zu dürfen
und eines Tages am Reiseziel anzukommen.
2) "Himmelherz" ist ja, bedingt durch die (wenn auch nur zeitweise?)
Auflösung des Duos "Rosenbrock & Böttcher" Dein erstes ganz eigenes Kind
geworden. Bist Du nun ganz neue Wege gegangen, oder spielt da im
Verborgenen doch noch einiges von Mark Rosenbrock in den Songs mit?
Haha... du meinst, irgendwo versteckt sich Mark heimlich in einem
Gitarrenkoffer und spielt weiter mit und keiner merkt´s?... Nee.. also
... ganz neue Wege im Sinne völlig andersartiger Musik gehe ich sicher
nicht, es ist eher eine konsequente Weiterentwicklung der musikalischen
Vision, die ich auch damals beim rosenbrock+böttcher-debüt schon hatte.
3) Deine Lieder zeichnet aus, daß sie in ziemlich rauhem,
ungeschliffenem Mantel daherkommen und doch sicherlich einen weichen
Kern im innern verbergen. Anders als mancher Songwriter im christlichen
Bereich scherst Du Dich nicht um Konventionen, verwendest Kanaanismen
neben Alltagslyrik und nennst Dinge ungeschönt beim Namen. Ich habe den
Eindruck, daß Du ganz schön was im Leben durchgemacht haben mußt, um
solche Texte zu schreiben...
Ja ... ich bin ja erst vor vier Jahren Christ geworden, als es Gott
gefiel mich anzurühren und mich durch das Wunder seiner Berührung aus
meinen Seelennöten zu befreien... das hat mich so stark berührt, daß ich
es nicht für mich behalten kann, mein Herz läuft davon einfach über.
Gleichzeitig kenne ich eben gewisse seelische Tiefen und werde nicht
darüber schweigen, nur weil sich im
heuchlerischen Teil der christlichen Kultur oder sonstwo irgendjemand
daran stört. Ich bin absolut nicht interessiert daran, "Religion" zu
verkünden, sondern die Kraft und die Liebe und die Gnade Gottes durch
Jesus Christus. Ich möchte Musik machen, die "echt" ist, so tief wie
möglich, Musik, der es im besten Falle gelingt, ein trauriges Herz
anzurühren und es in Himmelsrichtung zu bewegen. Das hat sicher mit
meiner eigenen Geschichte viel zu tun.
4) Musikalisch bist Du ja auch sehr verwurzelt in einer Mischung aus
Country-Rock, Folk-Blues und Gospel. Ist es schwer, diese doch sehr
amerikanisch geprägten Wurzeln ins Deutsche (nicht nur textlich) zu
übertragen?
Das ist eine interessante Frage. Eigentlich ist der Weg nämlich gar
nicht so weit, weil ja die amerikanische Folkmusik ihre Wurzeln wiederum
in der europäischen Volksmusik der Pilger und Einwandererbewegung hat.
Wenn man sich damit beschäftigt stellt man irgendwann ganz verblüfft
fest, daß Country und Western und Folk und bayrische Volksmusik (!) und
Punk (!!) etc. eigentlich das gleiche musikalische Fundament haben.
Deshalb ... nein, es fällt mir gar nicht schwer, sondern kommt mir ganz
natürlich vor...
5) Vielleicht noch ein paar konkrete Fragen zu den Songs: "Am Ende des
Tages" hat für mich eine Assoziation mit den Büchern von Frank Peretti,
einem amerikanischen Autor, der in Werken wie "Die Finsternis dieser
Welt" dem Leser den Blick geschärft hat für die unsichtbare Welt Gottes
und seiner Engel, aber auch für die Mächte der Dämonen, die versuchen
von uns Besitz zu ergreifen. Liege ich richtig mit meiner Vermutung?
Also, ich habe noch nie etwas von Peretti gelesen, so gesehen also
nicht. Aber ich glaube an die unsichtbare Welt und ihren Einfluß auf den
Teil unseres Lebens, den wir bewußter als die sogenannte Realität
erleben.
6) Bei "Toter Mann" fällt mir ein Song von Bob Dylan aus seinem 1981er
Album "Shot of Love" ein: "Dead man, when will you arise?" - Wer ist der
tote Mann, den Du in diesem Lied besingst?
Das war ich selbst. Und mit mir alle, die sich fragen, wie sie ohne Gott
aus dem Dilemma ihrer stolzen und verletzten Seelen fliehen können
(übrigens eine Frage auf die es keine Antwort gibt, denn ohne Gott geht
es GAR nicht). Die erste Version des Liedes habe ich vor ein paar Jahren
noch für meine damalige Alternativeband Böttcher geschrieben. Ich
schaute mich damals im Spiegel an und
sah einen erledigten Menschen, der von Selbstzweifeln und Selbstmitleid
geplagt war, einen Toten, der trotzdem vehement versuchte mir
weiszumachen, daß er von irgendetwas auf der Welt auch nur den Schimmer
einer Ahnung hat.
7) Eine Spur von Hemingway überkommt mich im "Hotel der letzten
Hoffnung" - ich denke, noch nie hat jemand das Heimkommen zu Gott, das
Durchschreiten der Himmelstür mit solchen Worten besungen. Hast Du schon
Reaktionen von Zuhörern auf diesen Song?
Ja, es gab schon ein paar... es ist wunderbar, daß so ein Songtext die
Menschen wirklich zum Nachdenken bringt...
8) Und was hat Dich eigentlich geritten, uns Lieder wie "Er hält die
ganze Welt in seiner Hand" und "Welch ein Freund ist unser Jesus"
dermaßen relaxed und unkonventionell zu präsentieren?
Haha, ich weiß nicht... ich liebe diese Lieder einfach... und ich habe
sie schon immer geliebt... das sind ja so Sachen, die auf diesen uralten
Vinylscheiben bei mir zuhause in der Sammlung schlummern .. all dieser
alte Countrygospel-Stoff von Elvis, Johnny Cash, den Jordanaires,
Tennessee Ernie Ford, Hank Williams etc.
9) Auf jeden Fall wünsche ich Dir, daß sie "aus allen Himmelsrichtungen"
in Deine Konzerte kommen, nicht mehr "traurig" bleiben und sich mit Dir
zusammen auf den Weg in Richtung Heimat machen und dabei spüren, daß da
tatsächlich "Sachen sind, für die es keine Worte gibt".
Vielen Dank ... das wünsche ich euch und all euren Lesern auch. Möge
Gottes Liebe euch alle umhüllen!!
Jens Böttcher - "Himmelherz" (Asaph
2005)
Nach zwei Meilenstein-Alben im Duo Rosenbrock & Böttcher, kommt Jens
Böttcher nun solo und setzt in der christlichen Musikszene ein weiteres
Mal Maßstäbe: "Himmelherz" beeindruckt durch 16 gut geschriebene Songs,
die direkt aus dem Herzen zu kommen scheinen, und eine adäquat
liebevolle Produktion des bewährten Teams Henry Sperling und Karsten
Deutschmann, die als Instrumentalisten das Grundgerüst der Backing Band
bilden. Zu dieser gesellen sich da und dort prominente Mitstreiter wie
Sarah Brendel oder Bayless Conley (wer außer Jens Böttcher würde einen
vielbeschäftigten kalifornischen TV-Prediger zu einer Fernsession
überreden?). Sarah sorgt als Duettpartnerin bei "Frieden" für Momente,
die in ihrer Intensität geradezu erschüttern. Conley krönt den
eingängigsten Song der Platte "Nananana" mit rockiger Bluesharp.
Abgehende Rocknummern sind auf dem Album insgesamt aber eher die
Ausnahme, obwohl Stücke wie "Am Ende des Tages" und "Himmelsrichtung"
sich regelrecht hochschrauben und Power aufnehmen (Kopfhörertest
machen!). Aber auch die langsamen, melancholischen Stücke wirken nie
statisch. Mit seiner bisher intensivsten Vokaldarbietung nimmt uns Jens
Böttcher hinein in Gebete der Hingabe, der Zuversicht und des Lobes.
Gegenüber den ersten beiden Alben hat er sich etwas vom
Gospelfolk-Einfluss gelöst, aber in "IBHNZ" (Ich bin hier nicht zuhause)
blitzt Americana-Charme auf und entstaubte, traditionelle Hymnen kommen
ebenso zu ihrem Recht. Die Botschaft von Gottes Liebe ist durch die
ambitionierteren Eigenkompositionen und die gewonnene lyrische Tiefe
nicht schwammig geworden. Dass ein Herzblutmusiker wie Jens Böttcher
nach seiner Bekehrung "sein Äußerstes für Gottes Höchstes" gibt, ist ein
Glücksfall und unschätzbarer Gewinn für die christliche Musikwelt. Wer
sich für diese Platte ausreichend Zeit nimmt, wird eine neue
Freundschaft schließen.
Rainer Buck für Come-Magazin 11/05
Jens Böttcher
"Himmelherz"
( 2005 Asaph Musik )
»Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding,
wer kann es ergründen?«
~Die Bibel, Jeremia 17:9 (Rev.Luther)
Herzensbesinger jetzt solo unterwegs
Mit seinem Kompanion Mark Rosenbrock zog Jens Böttcher bis vor kurzem
seine musikalischen Bahnen durch Deutschland. Dieses Bandprojekt liegt
erst einmal auf Eis, Jens macht solo weiter. Die unangepaßte Musik ist
geblieben, die vom christlichen Glauben und Lebenserfahrungen
durchdrungenen Liedtexte ebenso. Der Barde aus der Nähe von Hamburg hat
sich dem menschlichen Sinnen und Trachten
gewidmet und wird damit zum ungewöhnlichen Herzensbesinger. Die
Unergründlichkeit und Vielschichtigkeit der menschlichen Herzensregungen
wurde zur Basis faszinierender handgemachter geistlicher Musik.
Eingerahmt in Bibelzitate (Psalm 139:1-18 und 1. Johannesbrief 4:16)
kommt das liebevoll gestaltete Booklet daher: trüb und melancholisch,
inklusive alter "Narnia-Laterne", genau das Richtige für lange (und
einsame) Herbst- und Winterabende. Denn so wie die Optik, so
die Musik...
Das Evangelium ist nicht belanglos!
Während die Presseinfo poltert, Böttcher würde sich nicht mit
"Belanglosigkeiten" wie "Mission" oder "kommerziellen Begehrlichkeiten"
aufhalten, so stimmt dies nicht ganz - was Ersteres betrifft: Er ist dem
biblischen Evangelium verpflichtet und dies ist nun einmal
missionarisch. "Hotel der letzten Hoffnung" (# 14) und "der König allen
Seins" (# 12) sind Beispiele für Bekenntnis, Gotteslob, aber auch der
Mahnung eines 'Zu spät!'. Böttcher sagt vieles sehr deutlich - was
vielleicht nicht jedem passen wird -, manches auf sehr persönliche,
eindringliche Art, doch beides immer aus der Motivition der göttlichen
Liebe heraus. »So wie du warst, so wie du bist - Gott liebt dich / er
ruft nach dir, ruft dich zu sich - denn Gott liebt Dich« (aus "Gott
liebt dich", # 5).
Die Texte besitzen genau jene Widerborstigkeit, die der christlichen
Musikszene immer öfter fehlt: Hier wird Unbequemes thematisiert und
eigenes Versagen eingestanden. Parallelen zu den Songs eines Derek Webb
drängen sich durchaus auf. Von insgesamt 16 (!) Stücken sind zwei
Traditionals - "welch ein Freund ist unser Jesus" (# 15) und "die ganze
Welt in seiner Hand" (# 9), bei letzterem textete Böttcher manche
Passage neu. Beide blühen hier im Kontext der Platte wirklich neu auf,
ohne irgendwelche Klischees zu bedienen. "IBHNZ" (# 11; "ich bin hier
nicht zuhaus") basiert lose auf dem amerikanischen Traditional "this
world is not my home" und ist inhaltlich wie musikalisch ein absolutes
Markenzeichen für den Christen Jens Böttcher. Als einziges neues
nicht-Böttcher-Lied
fällt "Nachtgebet" (# 8) positiv auf. Getextet hat hier (der unseren
Lesern nicht unbekannte :-) Rainer Buck - die eher klassische Lyrik
spricht zu Gott von Einsamkeit und Mutlosigkeit. Böttchers eigene
Gedichte und Gebete - das nämlich sind seine Lieder! - enthalten wohl
auch stark autobiographische Züge. Hier ist ein Musiker, der von Jesu
Retterliebe und Gnade völlig umgekrempelt wurde und dem nichts wichtiger
ist, als davon weiterzugeben - freudig, in Wahrheit
und mit Liebe.
Zurück zu den Wurzeln - rauh und herzlich
Den Liedtexten gleich, so hat sich auch die musikalische Umrahmung von
den direkten amerikanischen Vorbildern der Band-Zeit etwas entfernt,
wenngleich die Einflüsse immer noch zu finden sind. Jens Böttcher kann
man schlecht in die herkömmliche Rubrik "Liedermacher" einreihen, dafür
ist er viel zu variantenreich. Anleihen aus dem riesigen Vermächtnis des
Blues, Country, Spiritual, Bluegrass und Folkrock verschmelzen zu einer
sehr hörenswerten Melange, die in dieser Form bisher einzigartig
innerhalb der deutschsprachigen christlichen Musikszene ist. Ohne
Rücksicht auf Ecken und Kanten wurden die Lieder eingespielt, eben
urwüchsig, echt. Dieser "zurück-zu-den-Wurzeln"-Sound ist noch eine Idee
gelassener, luftiger und teilweise viel ruhiger als beim
rosenbrock+böttcher- Vorgängeralbum, aber trotzdem rauh und herzlich.
Die Produzenten Henry Sperling und Karsten Deutschmann haben sich
wohltuend zurückgehalten. Als besondere musikalische Gäste treten unter
anderem Anne Maren Flak (Cello), Pastor Bayless Conley (Mundharmonika
bei "Nananana") sowie Sarah Brendel (Gesang bei "Frieden") prägnant in
Erscheinung.
Fazit: Jens Böttcher ist herzmäßig am Himmel angebunden und vermittelt
diese Perspektive glaubwürdig auf seinem ersten Soloalbum. Seine Lieder
möchten nun Begleiter sein, für Gläubige, die Trost und Ermunterung
suchen und für all jene, denen der christliche Glaube bisher fremd ist.
An ihr Herz ist eine Botschaft gerichtet. So erdig, kraftvoll und
eindringlich die Inhalte sind, so ist auch ihre "Verpackung" -
Roots-Klänge, denen man immer öfter seine Ohren leiht!
—David Decker für CCM-Rezis, August & Oktober 2005
Daten: 16 Titel / 58 Min.
Musikstil: Roots, Folk, Singer/Songwriter
Label(s): 2005 Asaph Musik, Lüdenscheid
Website: http://www.boettchercom.de
Lauschig
Ein Abend mit Jens Böttcher und besonderer Musik an einem besonderen Ort
Definitiv. Er ist der Mann für das Besondere. Ein Künstler für
großartige Momente. Wenig verwunderlich, dass Jens Böttcher zur
Präsentation seiner neuesten Produktschau "Himmelherz" in vier Wände
lud, die zu dem atmosphärischsten gehören, was die gute alte Hansestadt
Hamburg zu bieten hat.
Tatort "White Noise"-Tonstudio Hamburg-Altona, ein schnuckeliges
Plätzchen mit ziemlich hohem Wohlfühlfaktor. Sein Name muss den
ergiebigen Assoziationen eines glücklichen Menschen entsprungen sein.
Hier also erblickt Jens Böttchers "Himmelherz" die rauen Straßen dieser
Welt. Es ist ein sonniger, nicht mehr wirklich warmer Samstagabend im
deutschen Herbst und knapp 150 Menschen haben ihren Weg an den
lauschigen Ort gefunden. Das ehrwürdige Studio platzt aus allen Nähten
und erreicht bereits vor Konzertbeginn dann doch noch sommerliche
Temperaturen.
Unter den geneigten Zuhörern sind nur Wenige, die nicht wissen, dass die
Release-Party gleichzeitig eine DVD-Aufnahmesession sein wird.
Entsprechend hoch ist die Spannung beim Auditorium. Hält das
Solomaterial des Geschichtenerzählers Jens Böttcher den vielen
Lobhudeleien und wohlwollenden Rezensionen vor Veröffentlichung der
Platte stand? Ja. Uneingeschränkt ja. Bereits mit den ersten Songs macht
die meist wechselnde, aber immer virtuose Band ihre Zuhörer frisch. Das
"Himmelherz" trifft in eben solches. Lyrisch wie musikalisch.
Musikalisch sowieso. Hatte man bei den ersten Produktionen von
rosenbrock+böttcher recht durchgängig das Gefühl, hier sind irgendwie
auch Melancholiker am Werk, kehrt Jens Böttcher seine vermeintliche
Grundstimmung in das Gegenteil. Nicht mehr der Weltschmerz von sehr viel
früher, keine evozierten Stimmungen aus den Abgründen einer suchenden
Seele. Nein. Vielmehr spannende Geschichten aus der Feder eines überaus
talentierten Künstlers, der nicht zufällig über seinen tiefen Glauben
singt. Es ist ein lebendiger Glaube, mit einigen Höhen und
bemerkenswerten Tiefen. Ein glaubwürdiger Glaube.
Und so heißt der Mann des Abends nicht Jens Böttcher. Oder Mark
Rosenbrock (der fasziniert den neuen Klängen seines erst einmal
Ex-Partners lauschte). Und auch die vielen anderen großartigen Musiker
scheinen trotz beeindruckenden Tagwerks zu verblassen. Der Held an
diesem Abend heißt Jesus Christus. Das lebt Jens Böttcher. An Montagen
ebenso wie an besonders elegischen Samstagen wie diesem.
Diese Erkenntnis bleibt. Dass sie netterweise an diesem Abend von einer
Musik umschmeichelt wird, die für bessere Zeiten steht, suggeriert
Perfektion. Nicht zu Unrecht. Ich höre "Die ganze Welt in Seiner Hand"
und werde vom swampig-wabernden Bass an die musikalische Urgewalt eines
unzerstörten New Orleans erinnert. Vor allem auch dank des
Quartettgesangs unter der Leitung von Gerd Ekken-Gerdes. Er hat viele
gute Freunde, dieser Herr Böttcher. Die können rocken, auch akustisch.
Und besorgen den passenden Soundtrack für die vielen Kerzen im Studio.
"Ich bin hier nicht Zuhaus’", heimlicher Höhepunkt eines nicht enden
wollenden Spannungsbogens ist von sanfter Autorität. "Nananana" wird
auch ohne Bayless Conleys Bluesharp regelrecht zelebriert. Ein Hit. Die
"Himmelsrichtung" ist in diesen zweieinhalb Stunden offensichtlich und
wird dank einer traumhaft spielfreudigen Band zu einem weiteren
Glanzlicht. Alles cool.
Ich hatte es befürchtet. Irgendwann neigte sich dieser stringent schöne
Abend. Was bleibt ist ein bewegtes Herz. Einmal mehr. Außerdem gab es
mindestens eine weitere Erklärung dafür, warum ich diese folkige,
handgemachte Musik immer verehren werde. Das muss nicht jeder so sehen.
Sehen und hören sollte jeder aber das Zeugnis eines perfekten Abends.
Ende November steht "Kein Weg zu weit"
in den DVD-Regalen der Händler. Es ist das Zeugnis des momentan
wahrscheinlich aufregendsten Songwriters in Deutschland. Ein Mann von
Gottes Gnaden, einer von uns. Auf dass sich möglichst viele Menschen
davon überzeugen mögen.
(Steffen Richter für Sound7)
HIMMELHERZ
Jens Böttcher
»So viele Worte sind gefallen wie Krieger in der Schlacht. Poeten haben
sich versucht und es doch nicht geschafft, Gottes Liebe zu beschreiben,
die auf dem Grund unseres Herzens liegt. Doch sie ist unbeschreiblich,
weil es für sie keine Worte gibt.«
Nein, das ist kein Predigteinstieg eines berühmten Pastors - es ist ein
Auszug aus dem Album »Himmelherz« von Jens Böttcher - eine Hälfte des
Duos »rosenbrock+böttcher«.
Und ganz dieser Erkenntnis entsprechend trägt der Song, aus dem dieses
Zitat stammt den Titel »Nananana«. Man kann sie eben nicht beschreiben,
die Liebe Gottes. Zumindest nicht mit enschlichen Worten.
Dennoch: »Himmelherz« ist lyrisch gesehen wohl das dichteste,
anspruchsvollste und überzeugendste Album, das ich bisher in den Händen
gehalten habe. Hier sucht man vergebens nach abgedroschenen Floskeln aus
dem frommen Jargon.
In seiner unverkennbaren Art spricht Jens Böttcher Themen schonungslos
an, die anderswo tabu sind. Böttcher präsentiert sein eigenes
Glaubensleben auf »Himmelherz« in einer faszinierend offenen Art, ohne
dabei aber auch nur einmal peinlich zu wirken. Es spricht an, es fesselt
- und man kommt unweigerlich ins Nachdenken. So müssen Texte sein.
Aber auch musikalisch geht Böttcher auf »Himmelherz« nicht den
einfachen, weiten Weg des Mainstreams, sondern präsentiert ganz eigene,
persönliche Musik im Songwriter-Stil. Dominiert wird »Himmelherz« von
Böttchers markant rauer Stimme und seiner Akustik-Gitarre.
Gastmusiker veredeln diesen rohen Diamanten mit Cello, Geige, Klavier,
Schlagzeug und Bass. Mal mehr, mal weniger. Ganz besonders: Die Blues
Harp von Pastor Bailess Conley in »Nananana«. Eine Predigt des
us-amerikanischen TV-Predigers war übrigens ein bedeutender Mosaikstein
auf Böttchers Reise zu seinem ganz persönlichen »Himmelherz«.
Und nicht zu vergessen: Sarah Brendels Gesang in »Frieden«. Natürlich,
kantig, authentisch und alles andere als totproduziert.
Es wäre noch viel zu sagen zu »Himmelherz«, beispielsweise zu dem
Traditional »Welch ein Freund ist unser Jesus«, das so richtig unter die
Haut geht. Aber dies alles würde diesen Rahmen sprengen.
»Himmelherz« ist ein Album, das sich nur schwer kategorisieren lässt.
Aber es ist definitiv ein Album, das man ghehört haben muss. Denn
»Himmelherz« ist echt, herausfordernd und ein Musikgenuss der besonderen
Art - weil es eben nicht bei der Musik stehen bleibt, sondern tiefer
geht. Ins Herz hin. Ins Himmelherz.
David Brunner Sound7 31.10.2005
REBELL DER LIEBE
Jens Böttcher im Interview
Wie geht es heute Deinem »Himmelherz«, lieber Jens?
Danke, sehr gut. Es schlägt regelmäßig und wir genießen die gemeinsame
Lebensreise.
Und wie fühlt es sich an, verlassen worden zu sein?
Ähm…? Ach so, du meinst, dass wir das Projekt »rosenbrock+böttcher« auf
Eis gelegt haben? Es fühlt sich gut an, denn für mich beginnt jetzt
wieder etwas ganz Neues, Aufregendes!
Zwei Jahre lang hast Du gemeinsam mit Mark Rosenbrock die trockene
christliche Szene aufgewirbelt. Was hat sich in der Nach-Mark-Zeit
geändert?
Ich habe jetzt noch mehr Optionen und bin noch flexibler. Ich war schon
alleine auf Akustik-Tour, kann mit Band spielen oder auch mit
Gastmusikern. Das alles funktioniert sehr gut. Tja, und was die
»trockene christliche Szene« angeht, habe ich mittlerweile wirklich
recht viel gesehen.
Irgendwann letztes Jahr war bei euch auf SOUND7.DE mal ein Zitat von Dan
Haseltine (»Jars of Clay«, die Redaktion). Er nannte die christliche
Musikszene ein »Monster, von dem keiner weiß, wie man es wieder
loswerden kann«. Ich glaube, da steckt sehr viel Wahrheit drin. Wir
nehmen uns alle und diesen abgeschlossenen, klitzekleinen Szene-Kosmos
so unglaublich wichtig. Dabei ist das Einzige, was in diesem
Zusammenhang wirklich wichtig ist, dass wir den Menschen von der Liebe
Gottes und Jesus Christus erzählen und singen. Alles andere ist doch
bloß »eitle Gockelei«, ob uns der Gedanke nun schmeckt oder nicht.
Deine Musik wird von Experten gerne als »Americana« definiert, was
faktisch eine Melange aus Folk und vielen anderen »handmade
music«-Einflüssen meint. Den großen Helden dieser Szenerie haftet eine
gewisse Rebellen-Attitüde an. Würdest Du diese Rolle für das neue Album
»Himmelherz« auch beanspruchen?
Ja, auf eine gewisse Weise schon. Aber ich betrachte es als eine Art
Kontra-Revolution, denn es gilt, den eigentlichen Rebellen mit den
Waffen der Liebe Gottes zu bekämpfen. Und da Jesus selbst diesen
Rebellen in der Bibel den »Fürsten dieser Welt« nennt, nehme ich die
Kontra-Revoluzzer-Rolle gerne an.
Ich denke, es geht um persönliche Klarheit. Und darum, aus dieser
Klarheit heraus der Verunsicherung in den Herzen der Menschen um uns
herum mit der Liebe und der Gnade des Evangeliums zu begegnen. Also, ja,
so gesehen bin ich gern ein Rebell der Liebe.
Sarah Brendels Auftritt beim Song »Frieden« gehört ohne Zweifel zu den
Höhepunkten der Platte. Sarahs Stimme klingt dabei ungeschützter,
emotionaler und näher als jemals zuvor. Wie war die Zusammenarbeit mit
unserer amerikanischen Heldin?
Ich habe keine Worte, die Sarahs Kunst und ihrer Ausstrahlung auch nur
annährend gerecht werden könnten. Sie ist fantastisch und gesegnet und
etwas absolut Besonderes. Wir sind in den letzten zwei Jahren sehr gute
Freunde geworden und ich freue mich riesig über ihren Erfolg und alles,
was bei ihr und ihrem Mann Stevie in den USA passiert. Die »Frieden«-Aufnahmesession
war entsprechend
klasse und total unkompliziert. Es war eine riesige Freude und ein
echtes Gottesgeschenk, wieder mit Sarah zusammenarbeiten zu dürfen.
Es gibt kaum einen christlichen Künstler in Deutschland, der seine Hörer
direkter mit der Botschaft von Jesus Christus konfrontiert. Eine
Methode, die an der frommen Front mitunter stärker polarisiert als bei
den Ungläubigen. Was ist Deine persönliche Mission mit dem »Himmelherz«?
Wie gesagt ist die Mission, den Menschen mit diesen Songs von der Liebe
Gottes zu erzählen, die sich in Jesus manifestiert. Es ist so ein Hunger
in der Welt nach den Antworten, die das Evangelium gibt. Und es geht
beim Verkünden nicht um unser Perfektsein, sondern einfach ums Echtsein
und Gottes Gnade. Wenn es anders wäre, müssten wir alle lebenslang
schweigen! Im Übrigen mag ich nicht mehr rumfaseln, das hab ich immerhin
schon ein ganzes Leben lang vorher gemacht. Ich glaube aber, man kann
sich als christlicher Künstler entscheiden. Entweder man betrachtet sich
als Künstler, der auch Christ ist, wie zum Beispiel der große Johnny
Cash es getan hat oder Bono oder Jason Ringenberg oder viele andere da
draußen. Oder als Christ, der auch Künstler ist, wie Brian Doerksen oder
»Delirious?« oder all die anderen bedeutenden christlichen Musiker. Ich
finde, beides ist vollkommen cool und okay. Gott benutzt uns alle wie
wir sind. Und was das Polarisieren in der frommen Szene angeht,
wiederhole ich gerne den Satz von Dan Haseltine noch einmal. Wir alle
neigen wohl gelegentlich dazu, uns wie die Pharisäer aufzuführen, oder?
Wie zum Geier hast Du es geschafft, einen Fernsehpastor wie Bayless
Conley mit einer extrem groovigen Blues Harp derart das Haus rocken zu
lassen?
Und noch so ein Gottesgeschenk! Pastor Bayless hat damals meine Frau
Petra und mich getauft und ist für uns ein ganz wichtiger und guter
Freund geworden. Er ist wunderbar, ein Apostel im Hier und Jetzt!
Letztes Jahr waren wir dann zusammen in Stuttgart bei seiner »Jesus on
Air«-Evangelisation und Bayless hat mir nachts im Hotel erzählt, dass er
immer im Auto Mundharmonika spielt. Ich hab ihn daraufhin spontan
eingeladen, beim »Himmelherz« mitzurocken. Er meinte dann noch: »Hm,
aber so gut bin ich gar nicht«, und ich hab gesagt: »Macht nix, wir ja
auch nicht!«
Und dann lief es darauf hinaus, dass wir dieses Long-Distance-Recording
über Internet zwischen Hamburg und Kalifornien veranstaltet haben Und
der Hammer ist, wie absolut großartig Bayless in Wirklichkeit spielen
kann. Er rockt wirklich wie ein Nashville-Studiomusiker!
Was erwartet Deine Fans bei der Releaseparty zum neuen Album am 17.
September in Hamburg?
Ein Konzert im »White Noise«-Tonstudio in Altona. Es werden Henry und
Karsten von »Gentle Art« und viele weitere besondere Gastmusiker dabei
sein, wir machen es uns gemütlich, zünden ein paar Kerzen an und spielen
unsere Songs in so einer Art Unplugged-Atmosphöre. Der Eintritt ist frei
und jeder ist willkommen, um 20 Uhr geht’s los. Vielleicht sehen wir uns
ja da.
Vielen Dank für das Gespräch.
(aus www.sound7.de)
Jens Böttcher – Himmelherz
Songwriter mit glühendem Herzen
Vor drei Jahren horchte die christliche Musikszene überrascht auf, als
das Duo "rosenbrock+böttcher" mit ungewohnten Klängen daher kam. Dieses
Projekt pausiert zwar, aber Jens Böttcher setzt seinen Weg solistisch
fort. Auf seinem aktuellen Album "Himmelherz" hört man ihn als
leidenschaftlichen Geschichtenerzähler, der von der Liebe Gottes
berichtet.
Die Knarz-Stimme und eine gewisse Melancholie sind geblieben, aber der
Hanseate Jens Böttcher hat es auf seiner neuen Platte geschafft, den
Stücken etwas Leichtes, Euphorisches, ja Leuchtendes zu geben. Ein
exzellenter Songwriter mit offenen Augen und glühendem Herzen ist hier
unterwegs.
Er singt von der Liebe Gottes zum unperfekten "Himmelherz", zu jedem
Menschen – und weiß offensichtlich, wovon er singt. Als Begleiter hat
Böttcher alte Weggefährten um sich geschart und erstklassige Gäste
geladen, die wissen, wie ein Rohdiamant verdelt wird: Sarah Brendel und
der Bluesharper Bayless Conley.
(gug)
(Asaph-Homepage)
Heike L. schrieb über "Himmelherz":Jens Böttcher hat mir durch seine
Musik und seine Konzerte so viel Kraft gegeben. Und vor allem so viel
Liebe Gottes... Vielen Dank dafür. Diese CD ist ein Geschenk Gottes. Sie
ist wundervoll, und macht so viel Mut, sie verschenkt Hoffnung. Ich kann
jedem nur empfehlen diese CD zu kaufen. Einzigartige Musik mit
gesegneten Texten.
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